Page 33 - ZUCHT Ausgabe 1
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Eine normale Verteilung kann man durch eine Gaußsche Ver- by the red curve. The population appears slightly too distant from
teilungskurve darstellen. the desired „3“ value, too many horses are rather slow and idle.
Nehmen wir an, das Merkmal „Reaktion“, wie es bei Fohlen- Breeding with parentals out of the green curve might shift their
prüfungen beurteilt wird, wäre bei allen Islandpferden verteilt, next generation (black curve) clearly positively toward the breeding
wie in der roten Kurve dargestellt. goal. In this case, heritability is very high, the feature in question
Vom gewünschten Wert 3 ist man in der Population somit et- depends very much on genetics. Ergo: „Breeding with a plan“ is
was entfernt, zu viele Tiere sind eher langsam und träge. very important and promising.
Züchtet man mit Elterntieren, die der grünen Kurve entspre- Should a change occur as outlined in the turquoise curve (Abb. 2),
chen, könnte die nächste Generation (schwarze Kurve) sich the question needs to be asked whether active selection on the part of
deutlich positiv entsprechend dem Zuchtziel verändert haben. the breeder makes sense for this feature. Obviously, it depends very
In diesem Beispiel ist die Heritabilität sehr hoch, das beobach- much on environmental factors – low heritability! In this case, a
tete Merkmal sehr stark von den Genen abhängig. variation in surroundings and external factors like upbringing and
education would presumably allow for significant (desired) change.
Eine planvolle Zucht ist in diesem Fall sehr wichtig und erfolg-
versprechend. Selection with a plan – and that’s what breeding should be (eve-
rything else is merely reproduction) – is particularly sensible and
Würde sich eine Veränderung (wie Kurve türkis vgl. Abb. 2) er- worthwhile with a high degree of heritability. High heritability
geben, müsste man sich fragen, ob eine züchterische Selektion means that the characteristics of one variation depend for a large
sinnvoll ist, da dieses Merkmal wohl vorwiegend von Umweltein- part on genes and only for a small part on environmental factors
flüssen bestimmt wird, somit eine sehr geringe Heritabilität hat. like education, keeping and riding. One factor in assessing horses
is „interior / character / spirit“. This is an approved method, and
Durch eine Veränderung der Umweltbedingungen, z.B. Auf- we are dealing with relatively high heritability in this field. That
zucht oder Ausbildung, würde sich dieses Merkmal vermutlich is evidenced once again by Barbara Frische’s example of her horse
sehr deutlich verändern lassen. with its automotive scare. If then we suppose and agree that charac-
ter traits for a major part are inherited, this shows even more clearly
Eine planvolle Selektion, und genau das sollte Zucht sein (alles the high degree of responsibility on the part of breeders.
andere ist Vermehrung), ist aber besonders sinnvoll und zielfüh-
rend, wenn die Heritabilität hoch ist. Very often, science with all its complicated formulas and statistics
also gives us some rather simple facts and guidelines to adhere to:
Eine hohe Heritabilität bedeutet, dass die Ausprägung einer Ei- Any breeder is asked only to breed with animals that have a mul-
genschaft zu einem großen Teil von den Genen und zu einem titude of positive features and that come as close as possible to our
kleinen Teil von der Umwelt – dazu zählt Erziehung, Haltung, breeding goals. Never should we – especially as far as mares are
Reitweise – abhängt. Bei der Beurteilung von Pferden ist ein concerned – use those animals/horses in breeding that are „left over“
Faktor Interieur/Charakter/Spirit. from not fitting into their original use and purpose.
Dies hat sich so bewährt und man muss von einer relativ hohen
Heritabilität (also Vererbbarkeit) ausgehen. Unfortunately, such cases can be found too often: „This mare is too
difficult to ride, bucking folks off all the time.“ Or: „She’s much too
Genau das belegt das Beispiel von Barbara Frische mit dem lazy, let’s use her in breeding instead.“
Pferd, das ängstlich gegenüber großen Fahrzeugen ist.
Wenn wir somit annehmen und übereinkommen, dass Charak-
tereigenschaften zu einem relativ großen Teil vererbt werden,
zeigt dies die hohe Verantwortung der Züchter.
Häufig erklärt die Wissenschaft – so kompliziert auch Formeln
und Statistik sein können – einfache Sachverhalte, die wir um-
setzen sollten:
Jeder Züchter ist angehalten, nur mit den Zuchttieren zu züch- Abb. 1 - Vereinfachte Darstellung der Berechnung der Heritabilität
ten, die möglichst viele positive Eigenschaften besitzen und so
gut wie möglich dem Zuchtziel entsprechen.
Keinesfalls sollten – gerade bei Stuten geschieht dies oft – diese
Tiere zur Zucht eingesetzt werden, die sich in ihrer vorgesehe-
nen Nutzung nicht bewährt haben und „übrig bleiben“.
Leider beobachtet man dies viel zu oft nach dem Schema: „Die-
se Stute können wir nicht reiten, sie buckelt alle runter“ oder
aber „ist viel zu träge, daher ist sie jetzt in der Zucht“.
Abb. 2
Islandpferde Zucht | 031

